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L.A. Boruff & Lainie Anderson
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Das Kribbeln unter meiner Haut wurde stärker, als ich auf die Straße zu meinem Elternhaus abbog. So ruhelos hatte ich mich seit meiner Jugend nicht mehr gefühlt. An den meisten Tagen mochte ich meinen Job als Polizist in Black Claw. Als wir wieder in die Stadt gezogen waren, war die Dienststelle klein und trostlos gewesen, und die Kriminalität in der Stadt war besorgniserregend angestiegen. Mit der Rückkehr meiner Familie hatten die Bürger meinen Vater mit überwältigender Mehrheit zum Sheriff gewählt. Ein Deputy in seiner Einheit zu sein, hatte mir ein Gefühl von Verantwortung und einem Sinn für ein Leben gegeben, das sich, seit ich achtzehn war, rastlos angefühlt hatte. Heute flog all das zum Fenster hinaus. Ich fühlte mich wie ein Teenager, wild und unruhig. Als ich an der Straße vorbeifuhr, die zu der Hütte führte, zu der ich immer einen Blick hinüberwarf, sah ich Lichter zwischen den Bäumen. »Was zur Hölle?«, flüsterte ich. Die Einfahrt war zu lang, um zu sehen, wer dort war, aber ich konnte nicht widerstehen, hineinzufahren. Sobald der Wald sich so weit lichtete, dass ich durch die Bäume blicken konnte, schaltete ich meine Scheinwerfer aus und spähte zur Hütte. Ein großer Kastenwagen stand davor, angestrahlt von den großen Scheinwerfern. Die hatte ich vor vielen Jahren für den Vorbesitzer installiert. Jetzt wurden sie genutzt, um einer neuen Familie beim Einzug zu helfen. Ich hatte angenommen, das Anwesen wäre vor Jahren verkauft worden, aber es hatte leer gestanden. Meine Hände hatten meinen Streifenwagen in den letzten vier Jahren, seit wir zurückgezogen waren, viele Male die Einfahrt hinaufgelenkt. Ich redete mir ein, es sei nur, um sicherzustellen, dass das Grundstück nicht verwüstet wurde und um sicherzugehen, dass keine Hausbesetzer das Haus übernommen hatten. In Wirklichkeit hielt ich an, um die Erinnerungen hereinströmen zu lassen, um mich an die einzige Person zu erinnern, die ich je geliebt hatte. Wenn eine neue Familie eingezogen wäre, könnte ich das nicht mehr tun – es wäre eine Verletzung der Privatsphäre. Außerdem würde sich das Haus verändern. Neue Gartendeko. Neue Vorhänge. Nichts wäre mehr so, wie es war, als sie hier war. Verdammt. Ich ließ meinen Drachen ein wenig die Kontrolle übernehmen, gerade genug, um sein ausgezeichnetes Gehör zu nutzen. Ich filterte die Geräusche des Waldes heraus – eine Kunst, die ich mir über Jahre angeeignet hatte, selektives Hören – und konzentrierte mich auf das Haus. Ein kleines Kind, ein Mädchen, fragte nach chinesischem Essen. Eine tiefe, aber irgendwie unreif klingende männliche Stimme unterbrach sie und sagte, dass in der Küche noch Pizza sei. Ich erkannte keine der beiden Stimmen. Zwei andere männliche Stimmen überschnitten sich und sprachen über die Kisten im LKW. »Sie können sie bitte in die Küche stellen.« Mein Atem stockte mir wie ein Stein in der Kehle. Das konnte nicht sein. Ich war mir sicher gewesen, dass sie das Haus verkauft hatte, bevor wir zurückgezogen waren. Mein Drache knurrte. »Oh, tut mir leid, ich dachte, das wäre eine Kiste für die Küche. Können Sie die ins untere Badezimmer stellen?« Ihr Lachen perlte durch meine Ohren, als hätten Schmetterlinge winzige Presslufthämmer. Sanft und süß, aber auch erschütternd, raubte es mir den Atem. Fahr vor. Geh dorthin. Jetzt! Ich grunzte und war kaum in der Lage, den Klang ihrer Stimme zu verarbeiten. Mein Drache bestand darauf, dass ich sofort zu ihr ging, aber ich musste rationaler denken. Ich brachte ihn zum Schweigen und lauschte genauer. »Mom!«, schrie die tiefe, aber unreife Stimme. Sie hatte also einen Sohn. Dem Klang nach zu urteilen ein älterer Teenager. Hatte sie sich sofort jemanden gesucht, nachdem ich gegangen war? Wir waren fast achtzehn Jahre getrennt. »Hailey wird wohl verhungern müssen, schätze ich.« »In der Küche ist Pizza.« Ihre Stimme. Heilige Scheiße. Wir müssen zu ihr gehen. Sie gehört uns. Ich legte den Rückwärtsgang ein und drehte mich auf meinem Sitz um, um die holprige Einfahrt zurückzufahren, bevor die Triebe meines Drachen meinen gesunden Menschenverstand überwältigten. Steine flogen überall hin und prallten gegen die Unterseite des Streifenwagens, als ich auf die Hauptstraße bretterte, auf die Bremse trat und den Vorwärtsgang einlegte. Ich musste nach Hause und meine Verwandlung unter Kontrolle bringen. Wenn ich mich in meinen Drachen verwandelte, würde er sie sofort aufsuchen. Das wäre die schlimmste Idee überhaupt. Er würde sie zu Tode erschrecken. Nachdem ich um das Haus herumgefahren war, trat ich auf die Bremse und ließ meinen Wagen an der Hintertür stehen. Ich musste bei meiner Familie sein, besonders bei meinem Dad und meinen Brüdern. Ihre Drachen würden eine beruhigende Wirkung auf meinen haben. Sobald er ruhig war, würde ich versuchen, mit ihm zu reden. Meine Mom schreckte auf, als ich durch die Hintertür stürmte. »Maver…« »Wusstest du es?« Sie erstarrte mitten im Rühren, während Dampf aus dem Topf auf dem Herd aufstieg. »Was wissen?« »Dass Ava zurück ist?« Ihre Kinnlade klappte herunter und ihre Augen weiteten sich. »Was?« Meine Mom wusste, was Ava mir bedeutete. Sie wusste, was es mir angetan hatte, sie zu verlassen, und wie schwer es gewesen war, mich dazu zu zwingen, nicht nach ihr zu suchen. Es war eine Qual und etwas, wovon ich mich nie erholt hatte. »Nein«, flüsterte sie. »Doch. Sie ist da, genau jetzt. In der Hütte, mit einem, wie es sich anhörte, jugendlichen Sohn und einer kleinen Tochter.« Sie schüttelte ungläubig den Kopf und rührte wieder in unserem Abendessen. »Und ein Ehemann?« »Ich weiß nicht. Ich habe Männer gehört, aber ich glaube, das waren die Leute, die ihren Umzugswagen ausluden.« Mein Vater kam ins Zimmer. Sein Drache, obwohl er der Beta meines eigenen war, gab meinem das Gefühl, als wäre eine beruhigende Decke über ihn gelegt worden. Drachen gediehen in Nestern, und ein einsamer Drache neigte zu Wutanfällen und schließlich zum Wahnsinn, wenn er sich der Wildheit hingab. Unsere Familie hielt uns bei Verstand. Machte uns heil. »Dad-« »Ich hab’s gehört.« Er kam herüber und legte seine Arme um mich. Die Berührung und der Kontakt beruhigten mich. »Wir werden der Sache auf den Grund gehen.« Als er mich losließ, sah ich zu Mom, die sich Tränen aus den Augen wischte. »Bist du sicher?« Ich nickte. »Ich habe ihre Stimme gehört. Ich bin mir absolut sicher, dass sie es ist.« Sie richtete ihre Schürze und strich sich durchs Haar. »Dann werden wir das schon klären. Du bist dir nicht sicher, ob sie einen Gefährten bei sich hat?« »Die einzigen Stimmen, die ich hörte, gehörten jemandem, der sie Mom nannte, und zwei Männern, die fragten, wohin sie die Kisten stellen sollten. Ich glaube, die waren vom Umzugsunternehmen. Sie hat nicht auf eine vertraute Weise mit ihnen gesprochen.« Mein älterer Bruder, Axel, kam herein. »Das heißt nicht, dass sie keinen Mann hat.« Er musste unser Gespräch mitbekommen haben. Das war in diesem Haus nichts Ungewöhnliches. »Nur, dass er nicht gesprochen hat, während du gelauscht hast.« Ich nickte. »Ich weiß.« Der Gedanke an Ava mit einem anderen Mann ließ meinen Drachen vor Wut kochen, aber die Anwesenheit meines Bruders half mehr als nur die meines Vaters. »Was soll ich auch anderes erwarten? Ich habe sie vor achtzehn Jahren im Stich gelassen.« »Ich habe versucht, sie zu finden«, flüsterte Mom. »Was?« Ich sah sie mit zusammengekniffenen Augen an. »Wann?« »Als wir zurückgezogen sind.« Sie seufzte und schaltete den Herd aus. »Das ist fertig, wenn ihr Hunger habt.« Sie ging hinüber, um sich an den Tisch zu setzen, und ich folgte ihr. Sie nahm meine Hand und fuhr mit ihrer Erklärung fort. »Ich habe von dem Moment an, als du wieder die Kontrolle übernommen hast, mit dem Gedanken gekämpft, sie zu kontaktieren. Sobald du wieder ganz du selbst warst, habe ich Tag und Nacht mit mir gerungen. Dann schienst du gut zurechtzukommen.« Ich war überhaupt nicht gut zurechtgekommen, aber ich hatte es gut verborgen. »Nach ein paar Jahren, als du kein Interesse daran zeigtest, eine Gefährtin zu finden, kam mir der Gedanke immer wieder in den Kopf, aber ich schob ihn auf. Dann, als wir zurückzogen und ich sah, dass das Haus leer stand, musste ich es versuchen.« »Was hast du getan?« Mein Dad stellte mir eine Schüssel mit fleischigem Eintopf hin. Ich ignorierte sie, mein Magen hatte sich zu einem Knoten zusammengezogen. »Ich habe so getan, als wäre ich am Kauf der Hütte interessiert. Ich kontaktierte das Einwohnermeldeamt, das Finanzamt, jeden, der mir einfiel. Ich habe im Internet nach ihrem Namen gesucht. Verdammt, ich habe sogar ein altes Bild hochgeladen und versucht, eine umgekehrte Bildsuche durchzuführen.« Meine Augenbrauen schossen in die Höhe. Sie hielt inne und nahm einen Bissen von dem Eintopf, den mein Vater aufgetan und vor sie gestellt hatte. »Braucht Pfeffer«, murmelte sie. Axel sprang auf, um ihn für sie zu holen. Mom kümmerte sich um uns, gut um uns, aber wir versuchten auch, ihr bei jeder Gelegenheit den Gefallen zu erwidern. Das war die einzige Art, die Person zu behandeln, die uns Leben und Nahrung gab. »Mom«, drängte ich. »Entschuldigung, richtig. Ich konnte nichts finden. Gar nichts. Es ist, als hätte sie nie existiert.« Ich schnaubte durch die Nase, und ein winziges bisschen Rauch kam heraus. Scheiße. Axel und Dad bemerkten es, standen auf und gingen um den Tisch herum, um ihre Hände auf meinen Rücken zu legen.Die Berührung half. »Danke«, sagte ich. »Das brauche ich.« »Wenn du eine Umarmung brauchst, steh einfach auf.« Als ich in den Tagen vor meiner ersten Verwandlung so weit war, waren die Unruhe und der Zorn so schlimm, dass sie mit mir im Bett schlafen mussten. Am Anfang war es seltsam, aber es war eine familiäre Liebe und Geborgenheit. Die Unbeholfenheit verging schnell. Ich atmete tief durch, und das Jucken unter meiner Haut ließ nach, verschwand aber nicht ganz. »Ich glaube, ich bin okay.« Mama drückte meine Hand. »Wenn ich gewusst hätte, dass sie zurückzieht, hätte ich es dir gesagt. Ich habe erst heute erfahren, dass jemand in die Hütte einzieht, aber ich dachte, sie hätte das Haus endlich verkauft.« Ich nickte. »Ich auch. Ich habe letzte Woche die Putzkolonne dort gesehen, aber ich hätte im Traum nicht gedacht, dass sie nach so langer Zeit zurückkommen würde.« »Wir alle haben den Schmerz gespürt, als wir Ava verloren haben«, sagte Axel. »Sie war wie die Schwester, die wir nie hatten. Ich weiß, Jury hätte es genauso empfunden.« Unser jüngerer Bruder war ein Säugling, als wir weggingen. Jetzt war er achtzehn und hatte gerade seine Verwandlung hinter sich. Als Beta war seine erste Verwandlung nicht so schlimm gewesen wie meine eigene. Meine Mutter kicherte. »Es war, als hätte ich eine Tochter verloren.« Dad drückte zustimmend meine Schulter. »Jep.« »Also, was jetzt?«, fragte ich. »Was soll ich tun?« Ich wusste, ich klang wie ein weinerliches Kind, aber gegen den Drang meines Drachen anzukämpfen, kostete mich meine ganze Willenskraft. »Ich weiß es nicht«, flüsterte Mama. »Ich könnte runtergehen? Einen Kuchen mitnehmen?« »Vielleicht«, sagte ich. »Wenn sie ein neues Leben angefangen hat, musst du das respektieren.« Mama sah bei dieser Vorstellung besorgt aus. »Das werde ich. Aber es wird nicht leicht sein.« Geh jetzt zu ihr. Ich ignorierte meinen Drachen, anstatt mich auf ihn einzulassen. Manchmal war das die beste Taktik, ihn einfach auszublenden. Axel ließ meine Schulter los und widmete sich wieder seinem Essen. Dad blieb stehen. »Bruder, gib der Sache eine Woche. Halte Abstand. Lass sie sich einleben, dann kannst du vorbeigehen und nachsehen, wie es ihr geht.« Nein. »Außerdem«, fuhr Axel fort. »Gibt das deinem Drachen etwas Zeit, sich zu beruhigen und sich damit abzufinden. Ich kann seine Unruhe spüren.« Er brüllte in meinem Kopf und ich zuckte zusammen. »Hör auf damit«, schimpfte ich ihn laut. Er grummelte, beruhigte sich aber. »Okay«, sagte ich. »Aber ich werde eure Hilfe brauchen.« »Iss«, befahl Mama. »Dann können wir einen Film ansehen.« Das war eine gute Idee. Ich wusste, dass ich ihre Abendpläne durchkreuzte, aber zwischen meinem Vater und meinen Brüdern auf der Couch zu sitzen, während ich meinen Geist zwang, sich auf geistlose Unterhaltung zu konzentrieren, würde sehr dazu beitragen, meine Bestie zu besänftigen. Wenn er besser gelaunt war, würde ich ihm die Leviten lesen. Er grunzte. Die Idee gefiel ihm nicht, aber Pech gehabt. Er musste da mitmachen. Ich war noch nie ein geduldiger Mensch gewesen, keineswegs. Aber ich hatte achtzehn Jahre auf sie gewartet. Eine weitere Woche würde mich nicht umbringen.

Er beansprucht sie erneut für sich – und die Sache wird heißer als je zuvor.

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