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Während des Meetings wurde nicht viel über meine Ernennung zum VP gesagt, aber das hatte ich auch nicht erwartet. Es gab eigentlich keine andere Wahl, nachdem Paul gestorben war. Ward stieg zum Prez auf, und ich war sein Stellvertreter. Das war ich schon immer gewesen. Schon als Kinder hatte es sich einfach so ergeben. Er war ein geborener Anführer. Ich war zwar nicht gerade das, was man einen Mitläufer nannte, aber Ward gegenüber hatte ich mich schon im-mer untergeordnet. Jetzt, wo wir allein waren, legte Ward den Kopf schief und sah mich an. »Was frisst dich eigentlich auf, Slim?« Ich sah meinen besten Freund und neuen Präsidenten an. Er hatte sich den Kopf frisch für die Beerdigung rasiert, was er nur alle Jubeljahre mal tat. Er war nachlässig darin und ließ sein erd-beerblondes Haar meist erst als Flaum auf seinem Kopf sprießen, bevor er sich die Zeit nahm, es glatt zu rasieren. Sein akkurater Bart, kaum mehr als Stoppeln, betonte seine messerscharfe Kief-erpartie. Ich entschied mich für Ehrlichkeit und sprach mit ruhiger Stimme. »Zuzusehen, wie dein al-ter Herr stirbt. Das frisst mich auf.« Ward nickte und sah mich schließlich direkt an. Er hatte sich seit ein paar Tagen seltsam verhalten, wich meinem direkten Blick aus und verließ den Raum, wenn es so aussah, als wären wir gleich allein. »Und wie du darauf reagiert hast.« »Wie hätte ich denn reagieren sollen?«, fragte er mit herausforderndem Unterton. »Ich weiß nicht, Mann, aber nicht durch totale Verweigerung. Ich war zu jung, um mich daran zu erinnern, wie mein Dad abgekratzt ist, aber man muss trauern, Alter. Man muss es irgendwann rauslassen.« Er hatte sich der Sache noch nicht gestellt. Da war ich mir sicher. »Slim«, sagte Ward und lehnte sich mit auf dem Tisch abgestützten Unterarmen vor. Er holte eine Zigarette hervor und bot mir eine an. Ich nahm sie und zündete beide mit einem Zippo aus meiner Tasche an. Er nahm einen langen Zug, bevor er weitersprach. »Mein alter Herr war ein Bastard, ein echtes Arschloch. Ich bin hin- und hergerissen zwischen Erleichterung, dass er weg ist, Nervosität darüber, wohin ich den Club führen will, und der Trauer, dass er tot ist. Meine Emo-tionen spielen sich alle nur in meinem Kopf ab. Geh mir nicht damit auf den Sack.« Beschwichtigend hob ich die Hände. »Okay. Solange du weißt, wo dir der Kopf steht, ist das das Wichtigste.« Er nickte und lehnte sich zurück, wobei er mich musterte, während er an seiner Zigarette zog. »War’s das?«, fragte er kühl. »Nein.« Ich sah in sein Gesicht und seufzte. Ich konnte nicht bekommen, was ich wollte, aber ich konnte ihm geben, was er wollte. »Ich werde dir den Rücken stärken.« Seine Augenbrauen schossen hoch. »Im Ernst?« Ich blies eine Rauchwolke zur Decke und nickte. »Ja. Ich weiß, dass es eine große Entscheidung für dich war, mich dazuzuholen, obwohl ich in einer so wichtigen Angelegenheit gegen dich gestimmt habe. Ich habe lange und gründlich darüber nachgedacht, und ich habe eine Idee.« »Okay«, sagte er und aschte seine Zigarette im Aschenbecher auf dem Tisch ab. »Schieß los.« »Du willst den Club auf legale Beine stellen. Sauberes Geld verdienen. Ich möchte weiterhin so viel Geld verdienen wie bisher.« Ich hatte Kinder, Kinder, die ich nie zu Gesicht bekam, aber trotzdem. Meine Alte war der größte Fehler meines Lebens gewesen. Sie war nicht für das Clubleben gemacht, und ich konnte es nicht hinter mir lassen. Nicht für alles Geld oder alle Pussys der Welt. Aber sie war jung gewesen, heiß, und ich hatte gedacht, sie würde mich die Dinge vergessen lassen, nach denen ich mich tief in meinem Inneren sehnte. Das hatte sie nicht. Ich kam einmal zu oft blutüberströmt nach Hause, und sie machte sich aus dem Staub und nahm meine Babys mit. Der Kampf um das Sorgerecht hätte mich zu sehr in den Fokus des Gesetzes gerückt, und nichts außer einem Austritt aus dem Club hätte mir Zeit mit meinen Kindern verschafft. Ich hatte gedacht, Geld würde es richten, aber ich hatte der Schlampe Hunderttausende Dollar hinterherge-worfen, und sie wollte es weder nehmen noch nachgeben. Stattdessen hatte ich angefangen, es oben in den Wäldern zu verstecken und Vorräte für ihre Zukunft anzulegen. Wenn sie es nicht wollte, würde ich es ihnen direkt geben. Eine Beschreibung, wie man es findet, lag im Tresor des Clubs, für den Fall meines Todes. »Louann wird mich nicht in die Nähe meiner Kinder lassen, solange wir krumme Dinger drehen«, sagte ich. »So egal es mir auch ist, was die Schlampe mit ihrem Leben anfängt – ich will meine Kinder zurück.« Er nickte. »Das verstehe ich.« Er hatte zwar keine Kinder, aber er hatte den Verlust der meinen mitgefühlt. Sie hatten ihren Onkel Ward geliebt. »Ich bin froh, dich an Bord zu haben. Was ist deine Idee?« »Wir schmuggeln schon seit einer Ewigkeit Kippen. Wir haben es immer geschafft, uns aus dem Drogengeschäft rauszuhalten, was super ist, aber Schwarzmarkt-Zigaretten sind gefährlicher, als wir je gedacht hätten. Du willst legal werden, die Sache mit der Autowerkstatt durchziehen, und das ist ehrliche Arbeit. Ich denke, das sollten wir auf jeden Fall machen.« »Und die Tattoo-Studios«, fügte er hinzu. »Ja, ich stehe zu hundert Prozent dahinter. Wir haben viele Mitglieder, und wir brauchen verschiedene Investitionen, um sie alle zu beschäftigen.« Er nickte und wartete darauf, dass ich weitermachte. »Ich will ins Pussy-Geschäft«, sagte ich trocken. Seine Augenbrauen schossen hoch. »Pussy?« »Pussy.« Ich lehnte mich vor und legte meine Hände flach auf den Tisch, während Rauch von meiner Zigarette aufstieg. »Hör mir zu. Wir fangen an, Pornos zu drehen, aber anstatt die Typen dafür zu bezahlen, dass sie in den Filmen mitspielen, bezahlen sie uns.« »Warum zum Teufel sollte ein Pornoschauspieler uns bezahlen, damit er in einem Streifen mitspielen darf?«, fragte er, da er offensichtlich nicht verstand, worauf ich hinauswollte. »Weil es keine Schauspieler sind. Es sind ganz normale Leute. Perverse, Mann. Männer, die in diesen Pornos mitspielen wollen, die wollen, dass ihnen ein Pornostar einen bläst.« »Prostitution«, hauchte er. »Legale Prostitution. Und wir können Sicherheitsvorkehrungen für die Kunden treffen, zum Beispiel können sie Masken tragen, oder wir bearbeiten das Material so, dass ihre Gesichter nicht zu sehen sind.« »Sie bezahlen dafür, Teil eines filmischen Erlebnisses zu sein«, sagte er, lehnte sich in seinem Stuhl zurück und breitete die Arme aus. »Ein richtiges Joe-Hollywood-Ding.« »Genau.« Ich zog an meiner Zigarette und nickte. Er fing an, die Dollarzeichen zu sehen. »Außerdem können wir auch echte Hautstreifen drehen. Da lässt sich gutes Geld verdienen.« »Verdammt, Slim, du hattest schon immer die besten Ideen.« Ich schüttelte den Kopf. »Außer das eine Mal, als wir das Bike deines Dads geklaut und geschrottet haben.« Er grunzte. »Er hat nie rausgefunden, dass wir es waren.« »Wem hat er es in die Schuhe geschoben?« Ich war davon ausgegangen, dass Ward dafür den Arsch voll gekriegt hatte. Ward grinste. »Den Crows. Was glaubst du wohl, was diesen Krieg ausgelöst hat, den der Club mit denen hatte, bevor wir uns zusammengeschlossen haben?« Ich pfiff durch die Zähne. »Das hatte ich ja keine Ahnung.« Achselzuckend drückte er seine Zigarette aus. »Komm schon. Lass uns feiern gehen. Wir bringen deine Idee morgen zur Abstimmung auf den Tisch.« Ich folgte ihm hinaus in die Menge und sah mich in meinem Club um. Es war eine Fami-lienfeier, und es würde ziemlich wild zugehen, aber nicht so wild, dass nackte Weiber auf der Bar einschliefen. Das Bier floss in Strömen, in der Küche stapelten sich mehr Lebensmittel, als wir alle essen konnten, und der Hinterhof war voller Kinder, die rannten und spielten. Einer der Prospects kam mit einem Tablett voller Sandwiches vorbei. Ich schnappte mir eins und ein Bier aus einem riesigen Eimer voller Eis und suchte mir dann ein Plätzchen in der Ecke, um mich zu verkriechen. Ward würde sich die nächsten paar Stunden Geschichten über seinen alten Herrn anhören müssen, aber verdammt, ich musste das nicht. Er dachte, ich wüsste nicht, wie übel sein Vater zu ihm gewesen war, aber ich wusste es. Ich sah jeden blauen Fleck, jeden Schnitt. Mit Ward als bestem Freund aufzuwachsen, war eine Lektion darin gewesen, wie man verdammt noch mal die Klappe hielt. Und wie man verbarg, wie sehr er mir am Herzen lag und wie ich jede Verletzung mitempfand, die ich an seinem Körper sah. Einmal hatte ich es versucht, bevor seine Mutter starb. Er hatte ein blaues Auge und eine geschwollene Lippe und wollte mir weismachen, er sei mit dem Fahrrad gegen einen Bordstein gestürzt. Am Arsch. Wir waren in jenem Sommer jeden Tag von morgens bis abends zusammen Fahrrad gefahren. Unmöglich, dass ihn ein Bordstein erledigt hatte. Ich war nach der Schule nach Hause gegangen und hatte es meiner Mutter erzählt. Sie setzte mich hin und sagte mir, wenn mir mein Leben lieb sei, würde ich nie wieder einen von Wards blauen Flecken erwähnen. Es sei eine verdammte Schande, dass er sie habe, aber es gäbe nichts, was irgendjemand für ihn tun könne. Sie war in die Knie gegangen, hatte mir in die Augen gesehen und mir gesagt, wenn ich jemals etwas sagen würde, könnte sie mich vielleicht nicht vor dem alten Bushman, Wards Vater, beschützen. Die Angst in ihren Augen hat mich nie verlassen, und ich habe meinen Mund gehalten. Aber ich habe es bemerkt. Ich war mir ziemlich sicher, dass die Sorge um Ward meine tiefe Zuneigung zu ihm geboren hatte und schließlich meine Liebe. Mein Blick blieb den ganzen Abend auf Ward gerichtet, während er durch den Raum ging, redete, lachte und viele Hände schüttelte. Schließlich begann die Menge sich zu lichten, da die Leu-te ihre Kinder nach Hause ins Bett brachten, am nächsten Morgen arbeiten mussten oder einfach nur verdammt noch mal aus dem Clubhaus raus wollten. Es war nicht jedermanns Sache. Als nur noch so ziemlich die Leute übrig waren, die im Haus wohnten, machte ich Schluss und torkelte in mein Bett. Ich hatte mehr Bier getrunken, als ich eigentlich wollte, aber egal. Mit dem Kater würde ich mich morgen früh herumschlagen. *** Mein Wecker durchschnitt meinen Schlaf wie ein Vorschlaghammer meinen Schädel. Ich musste aufhören, so viel zu saufen. Mit zwanzig war das noch okay gewesen, aber sobald man die dreißig überschritten hatte, begannen sich die Dinge zu ändern. Ich öffnete ein Auge, drückte an meinem Handy auf Schlummern und vergrub den Kopf unter dem Kissen, obwohl ich wusste, dass ich nicht allzu lange weiterschlafen konnte. Ward hatte ein wichtiges Meeting in der Chapel angesetzt. Wir waren nicht wie viele andere Clubs, die ihre Clubangelegenheiten nur im Clubhaus regelten. Unsere Kirche, oder Chapel, war das umgebaute Esszimmer, in dem ein langer Eichentisch stand und alle Clubwerte aufbewahrt wurden. Geld im Tresor, Unterlagen – jedenfalls die legalen – im Aktenschrank. Das illegale Zeug versuchten wir nicht auf Papier festzuhalten. Als mein Handy erneut piepste, rollte ich aus dem Bett und direkt in mein Badezimmer. Die Prospects mussten sich ein Bad teilen, aber jeder Full-Patch bekam sein eigenes, auch wenn das bedeutete, extra eins anzubauen. Unser Haus war im Laufe der Jahre ein wenig verschachtelt geworden. Als Wards Mutter starb, kaufte Paul, sein Vater, das große, weitläufige Farmhaus. So wie der Club es brauchte, baut-en sie an das Haus an: mehr Schlafzimmer, mehr Badezimmer, die Küche wurde vergrößert. Jetzt breitete es sich über das Grundstück aus und sah aus, als würde es nur durch Panzertape und ein Gebet zusammengehalten, aber verdammt, drinnen war es gemütlich. Wir hatten gute Arbeit geleistet und es instand gehalten. Nach einer Dusche, etwas Ibuprofen und einer riesigen Tasse Kaffee fühlte ich mich leben-dig genug für das große Meeting. Ward wollte meine Idee auf den Tisch bringen und dann eine weitere Abstimmung über den legalen Weg durchdrücken. Es würde nicht einfach werden, aber wenn wir meine Geschäftsidee ans Laufen brächten, würden wir mehr verdienen als je zuvor, da war ich mir sicher. Ich schnappte mir meine Mappe vom Schreibtisch in meinem Zimmer und machte mich auf den Weg zur Chapel. Die meisten Mitglieder mit Patch des Chapters Melon Hills waren schon da und warteten auf mich und Ward. »Wo ist unser Prezzie?«, fragte ich, während ich mich auf meinen neuen Stuhl setzte. »Frühstück«, grunzte Moose. »Er hat nicht so gesoffen wie wir anderen und hat Hunger.« Er rollte mit den Augen und legte den Kopf auf seine Arme. Ich lachte und lehnte mich zurück, während ich darauf wartete, dass entweder meine Schmerzmittel wirkten oder Ward auftauchte, je nachdem, was zuerst passierte. Ward kam zuerst und marschierte hellwach herein. »Morgen«, sagte er laut. Die meisten in der Gruppe antworteten mit einem Stöhnen. Das Clubhaus war leer. Alle Partygäste vom Vorabend waren in irgendjemandes Schlafzimmer weggetreten, aber Ward schloss trotzdem die Tür. »Wir haben heute Morgen viel zu besprechen«, sagte er. »Zu dieser helllichten Stunde um elf. Einige von euch Jungs müssen lernen, früher ins Bett zu gehen«, sagte er mit einem Schmunzeln, während er sich ans Kopfende des Tisches setzte, eine dampfende Tasse Kaffee in der Hand. »Oder du musst länger aufbleiben, Kleiner«, sagte Uncle. Ward kicherte. »Vielleicht ist das das Problem.« Er schlug einmal mit seinem Hammer auf den Tisch und eröffnete damit die Sitzung. Alle schreckten bei dem Geräusch zusammen, ein paar Leute hielten sich stöhnend den Kopf. Ich hätte es auch gern getan, hielt mich aber zurück. »Kommen wir zum Geschäftlichen«, sagte er nach einem Schluck Kaffee. »Die Zukunft des Clubs.« »Wir müssen noch einmal darüber abstimmen«, fuhr er fort. »Aber zuerst hat Slim eine Idee, die er uns vorstellen möchte.« Zeit, mein ernstes Gesicht aufzusetzen. »Wir alle wollen verdienen.« Ich machte eine bedeutungsvolle Pause, während sie nickten. »Wir alle wollen richtig absahnen.« Mehr Nicken. »Niemand bestreitet das, jeder will weiterhin gut leben können.« Bruise meldete sich zu Wort. »Ich habe jetzt ein Kind. Das muss versorgt werden.« Ich hob die Hand. »Mann, ich auch. Und es ist kein Geheimnis, dass Ward uns schon lange auf den legalen Weg führen will. Sein alter Herr hat es immer wieder abgeschmettert, und verdammt, ich auch.« Ich zuckte mit den Schultern. »Ich dachte nicht, dass wir so viel verdienen könnten.« »Ich wüsste auch nicht wie«, sagte Moose. »Aber ich bin ganz Ohr.« »Haut«, sagte ich. »Pussy.« »Inwiefern ist das weniger illegal als Kippen?«, fragte Mickey mit hochgezogener Au-genbraue. »Hört mir zu.« Ich erklärte alles: die legalen Dreharbeiten, das Hollywood-Erlebnis. Die STD-Tests. Während ich sprach, wich ihre Skepsis einem breiten Grinsen. »Wir behalten die Werkstätten, behalten die Tattoo-Buden. Das gibt uns allen etwas zu tun, womit wir uns beschäfti-gen können. Jeder wird eine Aufgabe haben. Aber die Seite mit der Haut, das wird eher eine Man-agement-Rolle sein. Wir stellen die richtigen Leute ein, sorgen für Ordnung und Schutz, und viel-leicht haben wir ja ein paar Leute im Club, die selbst Hand anlegen könnten.« »Du meinst, du lässt Bruise zum Pornostar werden?«, rief Uncle dazwischen. »Das will doch keiner sehen!« Alle lachten, und Bruise zeigte Uncle den Mittelfinger. »Nein, du verdammter Widerling«, sagte ich lachend. »Ich meine, ich bin mir ziemlich sicher, dass einer der Prospects Buchhalter war, bevor er wegen Unterschlagung dran war. Einer von uns ist vielleicht gut in – was weiß ich. Por-nobeleuchtung oder Bikini-Waxing oder so ein Scheiß. Ich sage nur, bevor wir jede Stelle extern besetzen, können wir vielleicht einige davon aus unseren eigenen Reihen füllen.« Ich erntete weiteres Nicken und zufriedene Gesichter. »Was ist mit den Zigaretten?«, fragte Moose. »Wir können uns davon nicht so einfach verabschieden.« Ward seufzte. »Nein, das wird nicht einfach. Wir werden Kontakt zu den Crows aufneh-men. Das Kriegsbeil begraben. Wenn sie kooperativ sind, werden sie unsere Route übernehmen.« Moose verzog das Gesicht. »Bist du dir da sicher? Diese Redneck-Arschlöcher sind un-berechenbar.« »Ich weiß.« Wards ernste Miene wurde bleich. »Glaub mir, ich weiß es. Aber ich sehe keinen einfacheren Ausweg.« Er blickte in der Runde in die Gesichter seiner Brüder. »Wir haben für nächste Woche eine große Tour geplant. Das ist schon seit Langem in Arbeit. Ich möchte ver-suchen, mich vor der Tour mit dem Präsidenten der Crows zu treffen und zu sehen, was er davon hält, sie zu übernehmen. Wenn er einverstanden ist, werde ich das mit unserem Lieferanten be-sprechen und sehen, ob wir die Russen mit ins Boot holen können.« »Ich finde immer noch, wir sollten versuchen, beides zu machen«, sagte Moose. »Diejenigen, die im Zigarettengeschäft bleiben wollen, können das tun. Diejenigen, die sauber bleiben wollen, bleiben eben sauber.« Ward schüttelte den Kopf. »Zu kompliziert. Das kostet zu viel Zeit, die Geschichten aufeinander abzustimmen. Und alle, die sauber bleiben, könnten als Mittäter belangt werden, weil sie davon wissen. Ich bin absolut dagegen, das aufzuspalten.« Moose nickte. »Ja, okay.« »Bereit zur Abstimmung?«, fragte ich. Alle nickten. »Ich sehe keinen Grund, hier anonym abzustimmen. Keiner von uns ist so sehr mit der einen oder anderen Richtung verheiratet, dass er sich für seine Stimme schämen müsste.« Wir haben lange genug dreckiges Geld verdient, ein bisschen länger würde uns auch nicht umbringen. Wahrscheinlich. »Wir stimmen zuerst über den legalen Weg ab, und dann über das Wie.« Alle nickten und sahen Ward an. Ward haute mit dem Hammer auf den Tisch. »Alle, die dafür sind, legal zu werden.« Er sah mich zuerst an. Meine Stimme würde helfen, einige der anderen umzustimmen. Ich war jünger, aber im Club respektiert. »Ja«, sagte ich bestimmt. Er sah Bruise zu meiner Linken an. »Ja«, sagte er. Die Ja-Stimmen setzten sich die Reihe entlang fort, bis er bei Moose am anderen Ende ankam. »Nein«, sagte er mit hochgezogenen Augenbrauen. »Zigaretten waren echt gut zu uns. Man muss nicht reparieren, was nicht kaputt ist.« Die Zeit, die viele von uns über die Jahre wegen Schmuggelvorwürfen abgesessen hatten, ließe darauf schließen, dass es sehr wohl kaputt war, aber da er bisher der Einzige war, der mit Nein gestimmt hatte, machte ich mir keine Sorgen. Die Ja-Stimmen gingen weiter bis zum letzten Mann zu Wards Rechten. Mickey, unser Straßenkapitän. Er würde die Zügel übernehmen, falls Ward und mir etwas zustoßen sollte. »Ja«, stimmte er ab. »Und ein Ja von mir«, sagte Ward. Manchmal gab der Präsident die erste Stimme ab, be-sonders wenn er die Stimmen der anderen beeinflussen wollte. Wenn er die echten, unverfälschten Stimmen des Clubs wollte, stimmte er als Letzter ab. Er hämmerte mit dem Gavel. »Wir werden legal.« Nach einer Pause fuhr er fort. »Nun, wir alle wissen, dass wir Motorradarbeiten, Werkstätten und Tattoos machen wollen. Irgendwelche Einwände?« Niemand sagte etwas, also hämmerte er erneut. »Großartig. Letzte Abstimmung, ich will sie von jedem hören. Haut?« Diesmal fing er bei Mickey an und ging so um den Tisch herum. Er wollte weder mich noch sich selbst beeinflussen lassen. Jeder am Tisch sagte ja, sogar Moose. »Wenn wir schon legal werden, können wir dabei wenigstens ein paar ordentliche Pussys abgreifen«, sagte Moose ach-selzuckend. »Verdammt ja!«, rief Mickey und trommelte mit den Händen auf den Tisch. Ward und ich lachten, und ich sah sein Profil eine halbe Sekunde länger an, als ich sollte. Er würde die Pussys wahrscheinlich auch ausnutzen. Wenn ich wollte, dass mein Status quo im Club erhalten blieb, müsste ich das wohl auch ein paar Mal tun, sonst würden die Mädels reden. Ich hatte schon angefangen zu überlegen, das Gerücht zu verbreiten, ich hätte Probleme oder eine Verletzung und könnte nicht mehr ficken. Das würde mir die Mühe ersparen, ihn so lange hart halten zu müssen, bis ich einen Körper gefickt hatte, zu dem ich mich nicht hingezogen fühlte. Meistens ließ ich sie mir einen blasen, während ich die Augen schloss und mir Wards volle Lippen um meinen Schwanz vorstellte. Verdammt. Zurück in die Realität. Er hatte die restlichen Stimmen eingeholt, während meine Gedanken bei meinem Schwanz waren. »Ja«, sagte ich. »Haut.« Mit einem Nicken wiederholte er mein Wort und schlug ein letztes Mal mit dem Hammer auf den Tisch. »Das wäre es dann. Wir werden so schnell wie möglich das Treffen mit den Crows arrangieren, und mit etwas Glück wird das unsere letzte Tour.«
Manche Lieben müssen im Verborgenen bleiben. Heated Rivalry trifft auf Sons of Anarchy – ich konnte dieses Buch nicht aus der Hand legen!
Deutsche Ausgabe
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